Sabine Kreutzer, Schulleiterin Marie-Kahle-Gesamtschule Bonn

 

Ingrid Gerber von Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen traf mich zum ersten Mal kurz nach der Gründung meiner Gesamtschule in Bonn. Das war kein Zufall. Ich vermute, sie hatte gezielt nach mir Ausschau gehalten, um mir ihr Anliegen anzutragen: Wann würde ich eine integrative Lerngruppe einrichten? Wann würde ich die ersten Kinder mit Behinderung in meine Schule holen? Ich reagierte abweisend. Die Gründung einer Schule ist eine komplexe Angelegenheit und es schien mir, die Aufgabe sei groß genug.

 

Es zeichnet Ingrid Gerber aus, dass sie sich von meiner ersten Reaktion nicht beirren ließ. Vielleicht hatte sie gesehen, dass ich bereits mit allerlei Arten von Besonderheiten, die Kinder in das Leben einer Lehrperson bringen, sehr gut zurechtkam. Jedenfalls meldete sie sich bald darauf wieder und bat um einen Termin. Ich zeigte Frau Gerber unsere Schule, ein über hundert Jahre altes Gebäude, das als erste Barriere eine breite und schwere Eingangstür hat, die man nicht leicht feststellen kann. Wir gingen die Treppen hinauf in die zweite Etage in mein Büro. Durch die Tür passt, wie ich heute weiß, ein Rollstuhl haargenau. Im Flur sprachen wir schon über Inklusion und ich weiß noch, dass ich Frau Gerber sagte, dass das alte Gebäude mit seinen hohen, kirchenähnlichen Fluren eine schwierige Akustik im Flur hat. Wenn da einer ohnehin nicht gut hören könne – wie wäre das erst für diesen Menschen, wenn der Flur voller Menschen wäre?

 

Frau Gerber schmunzelte angesichts meiner Einwände. Sie erzählte mir von den Kindern, mit deren Schulsuche sie sich gerade beschäftigte. Sie erzählte mir von ihrem Sohn. Sie bot mir an, dass ihr Sohn mir zeigen könnte, wie er im Rollstuhl die Treppen überwinden kann. Sie empfahl mir Fachliteratur. Sie gab mir Kontaktadressen und bot Gespräche an. Überzeugt hat mich der Einsatz dieses Menschen, der so für Kinder mit Behinderung kämpfte, wie ich es tue, für die Kinder, die meine Schule besuchen. Die Leichtigkeit, mit der sie zugab, wie schwer es manchmal ist, Kinder mit einer Behinderung zu erziehen. Die großen Schwierigkeiten, die man im Alltag überwinden muss. Sie erzählte frei von dem Schmerz, der die Ablehnung in ihr verursacht. Und dass es ihrem Sohn sehr gut gehe an seiner Gesamtschule.

 

Ingrid Gerber hat mich durch ihren Einsatz als Mensch von der Inklusion überzeugt. Sie war immer bereit, zu beraten und zu unterstützen, als wir uns als Kollegium auf unseren Weg machten. Sie stand immer an diesem Weg, um einzuspringen, aber sie wusste, dass wir ihn als Schule selbst gehen müssen. Wir haben uns in unserem Lehrerkollegium noch im gleichen Jahr einstimmig entschlossen, eine integrative Lerngruppe einzurichten. Ingrid Gerber vermittelte einen Fachvortrag von Frau Professor Jutta Schöler, als wir mit der Arbeit im neuen Jahrgang begannen. Sie ist heute ein oft und gern gesehener Gast an unserer Schule. Wir alle schätzen ihren Elan und ihre Kompetenz.

 

Ich weiß immer noch nicht, ob ihr Sohn wirklich die Treppe überwunden hätte. Es ist aber auch völlig gleich. Ich weiß, dass es einen Weg gibt, wo ein Wille ist. Der Weg zur Inklusion muss ein breiter Weg sein. Nicht wegen der Rollstuhlfahrer. Sondern damit wir ihn alle gemeinsam gehen können.

 

 

 


Familie mit Kind mit Förderschwerpunkt Körperlich-motorische Entwicklung:

 

Gemeinsam leben – gemeinsam lernen – seit Jahren!

 

Inzwischen ist Johannes groß, bald wird er schon zehn! Das heißt, die Zeit, die wir mit GLGL teilen, reicht auch schon Jahre zurück. Angefangen hat es mit einem Flyer, der bei uns im integrativen Kinderhaus auslag, da war Johannes erst drei. Ein Jahr später, als die ersten Überlegungen in Richtung Grundschule anstanden, haben wir uns dann erstmals bei Euch gemeldet: Das Kinderhaus veranstaltet jedes Jahr einen Elternabend „Welche Schule für mein Kind?“. Dieses Mal hatten wir nicht nur die umliegenden Grundschulen eingeladen, sondern auch GLGL, was damals, lange bevor „Inklusion“ in aller Munde war, zu einem höchst spannenden Abend mit vielen Diskussionen führte! Am Ende hatten die Schulen (Ausgangsposition: „Wie soll das denn in der Praxis gehen?“) und auch wir Eltern („Wer Inklusion will, sucht Lösungen!“) durch Euch einen ganzen Haufen Denkanstöße bekommen!

 

Die Wahl der richtigen Schule ist schwierig. Auf den Elternabend folgten viele Telefonate mit GLGL über den Schulalltag, und wie man ihn mit Behinderung schaffen kann. Dabei haben wir es ja noch einfach – Johannes hat ‚nur‘ eine Gehbehinderung, eine Spastik in den Beinen, die Arme sind nur leicht betroffen, und der helle Kopf macht alles locker wett. Wie auch immer, danke an Euch! Die Beratung von Eltern für Eltern war für uns Gold wert!

 

Dann kam die Grundschulzeit. Wir hatten uns für eine Regelgrundschule, halbwegs barrierefrei, mit Einzelintegration entschieden. Die Schule war auf dem Weg der Inklusion, aber noch am Anfang des Weges: Es gab kaum Erfahrungen, auf die wir zurückgreifen konnten. Dafür aber viele offene Türen und Köpfe und ganz praktische Unterstützung von Euch: Die Schulbegleiter, die Johannes in den vier Jahren zur Seite standen, kamen alle über GLGL und wurden von Euch gut betreut. So ging es ihm bestens, und er konnte mit seinen Freunden in Schule und OGS zusammen sein. Danke auch hierfür! Das einzige Manko im Rückblick: die Einzelintegration. Im Kinderhaus waren mehrere Kinder mit Behinderungen, mit Einschränkungen unterschiedlicher Art. Das haben wir die letzten Jahre vermisst, denn so war Johannes immer ‚besonders besonders‘.

 

Und jetzt im Sommer folgt der nächste große Schritt, der Wechsel auf die weiterführende Schule. Nach einigem Hin und Her wird es doch unsere Wunschschule, die Gesamtschule in Beuel. Dort fühlten wir uns bei Vorgesprächen, Tagen der Offenen Tür und sonstigen Besuchen bestens aufgehoben. Aber nach der Anmeldung kam aus heiterem Himmel eine Absage – eine Gesetzesänderung hatte Johannes aus dem Losverfahren ausgeschlossen! Und wieder standet Ihr uns mit Rat und Tat zur Seite: Eine gemeinsame Aktion beim Schulausschuss der Stadt und eine erfahrene Rechtsanwältin halfen, die Schulbehörden von seinem Recht auf gleiche Behandlung zu überzeugen. Am Ende kam doch noch die Zusage. Auf die gesamte Aktion hätten wir natürlich gerne verzichtet. Aber anders betrachtet: So wird man stark fürs Leben!

Jetzt freuen wir uns darauf, an einer bunten, erfahrenen Schule den Weg der Inklusion weiter mitzugestalten. Weiterhin gemeinsam leben – gemeinsam lernen!

 

 

 

Eine Familie mit einem Mädchen mit Down Syndrom, das mittlerweile eine junge Frau geworden ist:

 

Ich möchte Euch berichten, dass Lina seit Anfang Mai 2014 einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz in der Mensa der Waldorfschule hat! Sie fühlt sich an ihrem neuen Arbeitsplatz sehr gut aufgehoben und lernt eine Menge. Ich danke Euch sehr, dass Ihr den Kontakt zu den Mitarbeiterinnen dort hergestellt habt. Sie haben Lina ein Praktikum ermöglicht und sich dann sehr eingesetzt, dass sie weiter in der Mensa arbeiten kann. Das war leider nicht so einfach, denn die Werkstatt, in der Lina auch jetzt noch montags arbeitet, hat uns nicht so gut unterstützt. Man wollte wohl die Förderung vom Arbeitsamt für Linas Stelle in der Werkstatt nicht verlieren. Eine Justiziarin der Lebenshilfe hat uns bei der Auseinandersetzung mit der Werkstatt geholfen. Danke auch für Euren Hinweis auf die Dokumente vom Landschaftsverband, aus denen ja hervorgeht, dass so eine tolle Möglichkeit, wie sie Lina jetzt hat, nicht verhindert werden sollte.

Liebe Grüße

Angela Joseph

 

 

 

Inzwischen ist Johannes groß, bald wird er schon zehn! Das heißt, die Zeit, die wir mit GLGL teilen, reicht auch schon Jahre zurück.

Angefangen hat es mit einem Flyer, der bei uns im integrativen Kinderhaus auslag, da war Johannes erst drei. Ein Jahr später, als die ersten Überlegungen in Richtung Grundschule anstanden, haben wir uns dann erstmals bei Euch gemeldet: Das Kinderhaus veranstaltet jedes Jahr einen Elternabend „Welche Schule für mein Kind?“. Dieses Mal hatten wir nicht nur die umliegenden Grundschulen eingeladen, sondern auch GLGL, was damals, lange bevor „Inklusion“ in aller Munde war, zu einem höchst spannenden Abend mit vielen Diskussionen führte!

Am Ende hatten die Schulen (Ausgangsposition: „Wie soll das denn in der Praxis gehen?“) und auch wir Eltern („Wer Inklusion will, sucht Lösungen!“) durch Euch einen ganzen Haufen Denkanstöße bekommen!




Ich möchte Euch berichten, dass Lina seit Anfang Mai 2014 einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz in der Mensa der Waldorfschule hat! Sie fühlt sich an ihrem neuen Arbeitsplatz sehr gut aufgehoben und lernt eine Menge.

Ich danke Euch sehr, dass Ihr den Kontakt zu den Mitarbeiterinnen dort hergestellt habt.

Sie haben Lina ein Praktikum ermöglicht und sich dann sehr eingesetzt, dass sie weiter in der Mensa arbeiten kann.

Das war leider nicht so einfach, denn die Werkstatt, in der Lina auch jetzt noch montags arbeitet, hat uns nicht so gut unterstützt. Man wollte wohl die Förderung vom Arbeitsamt für Linas Stelle in der Werkstatt nicht verlieren.

Eine Justiziarin der Lebenshilfe hat uns bei der Auseinandersetzung mit der Werkstatt geholfen.

Danke auch für Euren Hinweis auf die Dokumente vom Landschaftsverband, aus denen ja hervorgeht, dass so eine tolle Möglichkeit, wie sie Lina jetzt hat, nicht verhindert werden sollte.

Liebe Grüße

Angela Joseph




 

Ingrid Gerber von Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen traf mich zum ersten Mal kurz nach der Gründung meiner Gesamtschule in Bonn. Das war kein Zufall. Ich vermute, sie hatte gezielt nach mir Ausschau gehalten, um mir ihr Anliegen anzutragen: Wann würde ich eine integrative Lerngruppe einrichten? Wann würde ich die ersten Kinder mit Behinderung in meine Schule holen? Ich reagierte abweisend. Die Gründung einer Schule ist eine komplexe Angelegenheit und es schien mir, die Aufgabe sei groß genug.

 

Es zeichnet Ingrid Gerber aus, dass sie sich von meiner ersten Reaktion nicht beirren ließ. Vielleicht hatte sie gesehen, dass ich bereits mit allerlei Arten von Besonderheiten, die Kinder in das Leben einer Lehrperson bringen, sehr gut zurechtkam. Jedenfalls meldete sie sich bald darauf wieder und bat um einen Termin. Ich zeigte Frau Gerber unsere Schule, ein über hundert Jahre altes Gebäude, das als erste Barriere eine breite und schwere Eingangstür hat, die man nicht leicht feststellen kann. Wir gingen die Treppen hinauf in die zweite Etage in mein Büro. Durch die Tür passt, wie ich heute weiß, ein Rollstuhl haargenau. Im Flur sprachen wir schon über Inklusion und ich weiß noch, dass ich Frau Gerber sagte, dass das alte Gebäude mit seinen hohen, kirchenähnlichen Fluren eine schwierige Akustik im Flur hat. Wenn da einer ohnehin nicht gut hören könne – wie wäre das erst für diesen Menschen, wenn der Flur voller Menschen wäre?

 




 

Seit Sommer 2010 bis 2016 hatten wir insgesamt 7 junge Frauen, die Sophia beim Schulweg, bei Ausflügen, im Sport- und Schwimmunterricht und auch und vor allem im Schulalltag unterstützten.

Wir hätten am Anfang nicht zu hoffen gewagt, dass Sophia die Grundschulzeit mit (für ihre Krankheit) so wenig Problemen durchläuft. Und noch weniger hätten wir glauben können, dass sie ein Gymnasium besuchen wird und das Ziel Abitur erreichbar scheint.

Aber vielleicht erst mal ganz von vorne: